Kernaussagen
- Ein grosser Unterschied zwischen internem und externem Verkauf ist die Informations-Asymmetrie, die zwischen den Parteien ausgeglichen werden muss.
- Der externe Unternehmensverkauf ist ein klar strukturierter Ablauf in mehreren Phasen, der typischerweise 9–18 Monate dauert.
- Die Auswahl des passenden Käufertyps (MBI, Finanzinvestor, strategischer Investor, IPO) hat grossen Einfluss auf den Kaufpreis und die zukünftige Entwicklung des Unternehmens.
Diese Fragen werden beantwortet
- Wie muss ein Unternehmen organisatorisch und finanziell vorbereitet sein, um für einen externen Firmenverkauf attraktiv zu sein?
- Welche Phasen gibt es beim externen Firmenverkauf und wie viel Zeit sollte dafür eingeplant werden?
- Welche Käufertypen kommen für einen externen Firmenverkauf in Frage?
Insbesondere in Familienunternehmen wird beim Thema Unternehmensnachfolge oft die interne Nachfolgeregelung – in der Familie (FBO) oder an das eigene Management (MBO) – präferiert. Trotzdem kommt die Übergabe des eigenen Unternehmens an einen externen Käufer für immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer als Szenario für ihre Unternehmensnachfolge in Frage. Dieser Verkauf des Unternehmens an Externe ist eines von verschiedenen Nachfolgeszenarien und kann je nach Konstellation unterschiedliche Ziele verfolgen.
Externe Unternehmensnachfolge: Wo liegt der Unterschied?
Wenn eine Unternehmerin oder ein Unternehmer eine Nachfolgelösung anstrebt, gibt es fünf mögliche Nachfolgeoptionen:

- FBO – Family Buy-out:
Das Unternehmen wird innerhalb der Familie weitergegeben – an ein Familienmitglied (oder mehrere) der nächsten Generation. - MBO – Management Buy-out:
Beim MBO findet die Eigentumsnachfolge innerhalb des Unternehmens statt, indem Mitarbeitende das Unternehmen übernehmen. In der Regel handelt es sich dabei um das bestehende Management – also interne Führungskräfte, die das Unternehmen bereits kennen. - MBI – Management Buy-in:
Das Eigentum am Unternehmen geht an eine oder mehrere unternehmerische Persönlichkeiten, die von ausserhalb dazu stossen. Ein externes Management-Team oder eine externe Führungskraft übernimmt das Unternehmen und leitet es neu. - M&A – Mergers and Acquisitions (Fusionen und Übernahmen):
Das Unternehmen wird an einen strategischen oder finanziellen Investor verkauft – etwa an ein anderes Unternehmen aus der gleichen Branche oder an einen Finanzinvestor wie Private Equity. - Geordnete Geschäftsaufgabe (auch: Liquidation):
Das Unternehmen wird nicht übergeben, sondern bewusst und planmässig aufgelöst. Der Inhaber oder die Inhaberin beendet die Geschäftstätigkeit, wickelt laufende Verträge und Verbindlichkeiten geordnet ab, und das Unternehmen hört auf zu existieren.
Der Hauptunterschied zwischen internen und externen Unternehmensverkäufen besteht darin, dass beim externen Firmenverkauf die Informations-Asymmetrie zwischen den Parteien gross ist. Der Verkäufer kennt seine Firma, die kaufinteressierte Partei hingegen nicht. Diese Asymmetrie muss bestmöglich ausgeglichen werden und beeinflusst die Vorbereitungen für den Unternehmensverkauf massgeblich.
Auf folgende Punkte sollten Sie beim externen Unternehmensverkauf achten.
Organisatorische und finanzielle Vorbereitung als Basis
Ein externer Firmenverkauf im Nachfolgeprozess steht und fällt mit der Vorbereitung. Mit der Vorbereitung schaffen Sie als Verkaufspartei die Grundlage, Ihr Unternehmen für potenzielle Käufer attraktiv und nachvollziehbar zu machen – und gleichzeitig Ihre Verhandlungsposition zu stärken.
Organisatorische Vorbereitung
Ziel ist, das Unternehmen transparent und übertragbar zu machen. Dazu gehört insbesondere:
- Klare Unternehmensstruktur (z.B. Organigramm, Verantwortlichkeiten und Stellvertreterregelungen)
- Risikominimierung (z.B. Klärung offener Rechtsfragen, Compliance-Themen, Abhängigkeiten von Schlüsselkunden oder ‑Mitarbeitenden)
- Nachfolgeregelung und Stellvertretung im Management (tragbares Management-Team)
Je besser diese Punkte gelöst sind, desto weniger Überraschungen treten im Nachfolgeprozess auf – und desto höher ist typischerweise die Zahlungsbereitschaft der Käufer.
Finanzielle und betriebswirtschaftliche Vorbereitung
Käufer wollen verstehen, was sie wirtschaftlich erwerben. Sie benötigen verlässliche Zahlen und eine realistische Zukunftsperspektive. Wichtige Bausteine dafür sind:
- Aufbereitete, um Sondereffekte bereinigte Jahresabschlüsse und Kennzahlen
- Transparente Ertrags- und Cashflow-Situation
- Transparenter Businessplan und Planungsrechnungen
- Steuerliche Aspekte (Dealstruktur, steuerliche Folgen für Unternehmen und Unternehmer)
Je früher Sie mit der Vorbereitung Ihrer Unternehmensnachfolge beginnen, desto mehr Möglichkeiten haben Sie, Werttreiber zu stärken und Risiken zu reduzieren.
Der Nachfolgeprozess beim externen Unternehmensverkauf: Phasen im Überblick
Ein externer Firmenverkauf ist ein strukturierter Nachfolgeprozess mit mehreren Phasen. Für jede Phase ist ausreichend Zeit einzuplanen – insgesamt häufig 9 bis 18 Monate, je nach Grösse des Unternehmens, Branche und Komplexität.

Phase 1: Datenaufbereitung
Zeithorizont: in der Regel 4–8 Wochen.
In dieser Phase werden die Unternehmensdaten professionell aufbereitet und die Grundlage für die Käuferansprache geschaffen:
- Erstellung eines kurzen anonymisierten Unternehmensprofils (Teaser) und eines ausführlichen Informationsmemorandums
- Aufbau eines strukturierten Datenraums (Verträge, Gesellschaftsunterlagen, Finanzdaten, HR, IP, Genehmigungen etc.)
Phase 2: Vorstellung der Firma und Ansprache potenzieller Käufer
Zeithorizont: etwa 4–10 Wochen.
Nun werden ausgewählte Interessenten im Rahmen der Käufersuche angesprochen:
- Versand des anonymisierten Teasers
- Abschluss von Vertraulichkeitsvereinbarungen (Non-Disclosure Agreement, NDA)
- Bereitstellung des Informationsmemorandums
- Erste Gespräche und Management-Präsentationen
Phase 3: Auswahl potenzieller Käufer und indikative Angebote
Zeithorizont: circa 3–6 Wochen.
Aus der Interessentengruppe werden potenzielle Käufer ausgewählt:
- Einholung indikativer Angebote (unverbindliche Kaufpreis- und Strukturvorschläge)
- Bewertung nach Kaufpreis, Transaktionssicherheit, Strategie, Kulturpassung und persönlichen Zielen
- Entscheidung, mit welchen Parteien in die nächste Runde gegangen wird
Phase 4: Due Diligence
Zeithorizont: meist 6–10 Wochen.
Die Due Diligence ist die systematische Prüfung des Unternehmens durch die ausgewählten Käufer:
- Financial Due Diligence (Zahlen, Erträge, Cashflows, Planungen)
- Legal Due Diligence (Verträge, Gesellschaftsrecht, Rechtsrisiken)
- Je nach Unternehmen zusätzlich: Tax, Commercial, Technical, HR oder IT Due Diligence
Phase 5: Angebote und Verhandlungsphase
Zeithorizont: etwa 3–8 Wochen.
Auf Basis der Due-Diligence-Ergebnisse werden verbindliche Angebote abgegeben und im Rahmen der Kaufpreisverhandlung verhandelt:
- Einholung verbindlicher Angebote (Binding Offers)
- Verhandlungen zum Kaufpreis und zur Struktur (Zahlungsmodalitäten, Earn-out-Regelungen, Verkäuferdarlehen etc.), Garantien und Freistellungen
- Abstimmung zu Übergangsregelungen (z.B. Ihre weitere Mitarbeit für eine Übergangszeit)
- Auswahl des bevorzugten Käufers
Phase 6: Signing und Closing
Zeithorizont: je nach Anforderungen 4–12 Wochen.
Abschliessend werden die Verträge finalisiert und die Transaktion vollzogen:
- Ausarbeitung und Finalisierung der Rechtsverträge
- Signing (Vertragsunterzeichnung)
- Signing (Unterzeichnung)
- Erfüllung etwaiger Bedingungen (z.B. Zustimmungen, Freigaben)
- Closing (Zahlung und Übergang der Anteile bzw. Vermögenswerte)
Professionelle Begleitung im Nachfolgeprozess: Warum Beratung den Unterschied macht
Der Verkauf eines Unternehmens ist fachlich anspruchsvoll und emotional herausfordernd. Ein transaktionserfahrener Berater kann den Unterschied machen, da er die Prozesssicherheit im Nachfolgeprozess erhöht, die Verhandlungsposition stärkt und die Verkäuferschaft so entlastet, dass diese sich weiterhin auf das Tagesgeschäft fokussieren können.
Wer kauft? Käufertypen bei der externen Unternehmensnachfolge
Beim externen Firmenverkauf gibt es verschiedene Käufertypen, die sich in Zielen, Finanzierungsstruktur und Integrationsansatz unterscheiden.
Management Buy-in (MBI)
Ein externes Management-Team oder eine externe Führungskraft übernimmt das Unternehmen. Die Merkmale eines MBI sind:
- Käufer bringt Managementerfahrung ein, ist aber neu im Unternehmen
- Eigenkapital ist oft begrenzt, daher häufig Kombination mit Banken, Unterstützung des Verkäufers oder Investoren
Besonders geeignet, wenn Sie Wert auf unternehmerisch geprägte Nachfolger legen und bereit sind, das neue Management während einer Übergangsphase zu begleiten.
Finanzinvestor (z.B. Private Equity, Family Office)
Finanzinvestoren investieren meistens zeitlich begrenzt, um den Unternehmenswert zu steigern und später mit Gewinn wieder zu verkaufen. Die Merkmale eines Finanzinvestors sind:
- Hohe Professionalität, klare Rendite- und Wachstumsorientierung
- Häufig Beteiligung des bestehenden Managements (Co-Investment)
- Typischer Exit-Horizont: 4–7 Jahre
Interessant, wenn im Unternehmen Wachstumspotenzial oder Konsolidierungschancen bestehen und Sie offen für eine Weiterentwicklung sind – eventuell mit teilweisem Verbleib als Gesellschafter.
Strategischer Investor (Industrie- oder Branchenteilnehmer)
Ein strategischer Investor stammt meist aus derselben oder einer angrenzenden Branche und möchte insbesondere Synergien heben. Seine Merkmale sind:
- Interesse an Marktanteilen, Technologien, Kundenbeziehungen oder Fachkräften
- Synergien können höhere Kaufpreise ermöglichen
- Integration in eine bestehende Unternehmensgruppe mit entsprechenden Veränderungen in Strukturen und Kultur
Geeignet ist ein strategischer Investor dann, wenn Sie Ihr Unternehmen in einem grösseren Verbund sehen und Synergien zum Vorteil von Standort und Belegschaft genutzt werden können.
Initial Public Offering (IPO / Börsengang)
Beim IPO werden Anteile des Unternehmens erstmals an der Börse platziert. Die Merkmale sind:
- Eignet sich vor allem für grössere, wachstumsstarke Unternehmen mit entsprechender Ertragskraft
- Hohe regulatorische Anforderungen und Transparenzpflichten
Diese Option kommt nur für einen kleineren Kreis von Unternehmen in Betracht.
Fazit: Früh starten, strukturiert vorgehen, professionelle Hilfe nutzen
Ein externer Firmenverkauf im Rahmen der Unternehmensnachfolge ist ein anspruchsvolles Projekt, das Ihren unternehmerischen Weg krönen kann. Um wirtschaftlich und persönlich ein gutes Ergebnis zu erzielen, sind folgende Punkte zentral:
- Organisatorische und finanzielle Vorbereitung der Unternehmensnachfolge: Strukturen klären, Zahlen aufbereiten, Risiken reduzieren, Management stärken.
- Ausreichend Zeit für alle Phasen: Für den gesamten Nachfolgeprozess sind häufig 9–18 Monate realistisch.
- Transaktionserfahrenen Berater einbinden: Für Struktur, Sicherheit, professionelle Verhandlungen und Entlastung im Tagesgeschäft.
- Käufervarianten bewusst prüfen: Der optimale Käufer hängt von der Situation und Ihren Zielen ab – etwa Kaufpreis, Zukunft des Unternehmens, Rolle der Mitarbeitenden und Ihrer persönlichen Perspektive.
Je früher Sie mit der Planung beginnen, desto grösser sind Ihre Handlungsspielräume – und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Unternehmen in gute Hände kommt und Ihr Lebenswerk erfolgreich weitergeführt wird.
Auf unserer Plattform finden Sie weiterführende Unterlagen rund um Themen der Unternehmensnachfolge. Im Kontext der verschiedenen Nachfolgeoptionen und des Unternehmensverkaufs können wir folgende Unterlagen empfehlen:
- Marc Maurer im Gespräch: Externer Verkauf als Nachfolgelösung
- In Szenarien denken: weshalb der Plan B bei der Nachfolge Gold wert ist (Blog 46)
- Unser Dossier zu “KMU Nachfolge und die Finanzierung” (Schrift 09)
- Möglichkeiten der Finanzierung: Daniele Ruggeri im Gespräch
Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unterlagen und Arbeitsblätter kostenlos zur Verfügung. Mehr zum Thema Transaktionskosten und Finanzierung finden Sie in unserem Themenbereich
ÜBER MARC MAURER
Marc Maurer ist Leiter Unternehmensnachfolge bei der Zürcher Kantonalbank. Zusammen mit seinem Team begleitet er Unternehmerinnen und Unternehmer im ganzen Prozess der Firmennachfolge und erarbeitet für die Käufer individuelle Finanzierungslösungen für eine erfolgreiche KMU Nachfolge. Daneben ist Marc Maurer als Dozent in der Weiterbildung tätig und kennt als Stiftungsrat einer grösseren Zürcher Stiftung die Themen gut, die KMUs jeden Tag bewegen.
Fotonachweis: Shutterstock | Darstellungen: ZKB