Kernaussagen
- Unternehmensnachfolge in KMU ist nicht nur ein strategischer, sondern vor allem ein emotional geprägter Prozess, selbst für erfahrene Nachfolgeberater.
- Der nachhaltige Unternehmenswert entsteht aus Strukturen, Team und Erträgen – nicht aus der Person des Inhabers und Übergebers.
- Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge erfordert frühzeitige Planung, konsequentes Loslassen von Verantwortung und eine schrittweise Übergabe.
Diese Fragen werden beantwortet
- Wann ist der richtige Zeitpunkt, um die Unternehmensnachfolge im KMU aktiv zu planen?
- Wer eignet sich als Nachfolger – intern, extern oder innerhalb der Familie?
- Wie lassen sich Bewertung, Finanzierung und Kommunikation der Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten?
Nach mehr als zwanzig Jahren im Nachfolge-Business war für Patrik Landolfo die Zeit gekommen, die eigene Nachfolge für sich und sein Beratungsunternehmen zu regeln. Die Nachfolgelösung ist heute erfolgreich umgesetzt. Dieser Blogbeitrag ist ein Erfahrungsbericht: Patrik Landolfo teilt seine persönlichen „Nachfolge-Erfahrungen“ und führt aus, mit welchen Fragen er konfrontiert war.
Wie fühlt es sich an, wenn man als Nachfolgeberater plötzlich selbst zum Betroffenen wird? Als 58-jähriger Inhaber und Geschäftsführer eines kleinen, etablierten Unternehmens war ich zuweilen selbst überrascht, was dieser Prozess so mit einem macht.
Mein Unternehmen beschäftigt heute 10 Mitarbeitende. Als Inhaber, Verwaltungsratspräsident und Mandatsträger habe ich es während 23 Jahren gestaltet und geprägt. Über zwanzig Jahren lang begleitete ich zusammen mit meinen Mitarbeitenden Kundinnen und Kunden bei Projekten rund um Organisationsentwicklung und Veränderungsprozesse.
Wenn der Nachfolgeberater die eigene Nachfolge regelt
Vor fünf Jahren, im Jahr 2020, fragte mich einer meiner Mandanten: „Sie sind Inhaber und Geschäftsführer. Wann und wie denken Sie, Ihre eigene Nachfolge zu regeln? Wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt?“ Diese Frage hat meinen eigenen persönlichen Prozess angestossen. Fünf Jahre später, Ende November 2025, war aus der theoretischen Überlegung eine reale Situation geworden: es war der Zeitpunkt, an dem ich mich mit der Frage beschäftigte, wann und wie ich den Führungswechsel gegenüber Kunden und Partnern kommunizieren sollte. Die Frage hatte mir – bemerkenswerterweise – einer meiner Nachfolger gestellt. Ich war überrascht, wie emotional es für mich war, mich damit auseinanderzusetzen.
«Die Kommunikation vorzubereiten — das war für mich der emotionalste Moment des ganzen Prozesses. Da hat es mich durchgeschüttelt.»
Der Gedanke, meine Nachfolge öffentlich zu machen, war wie ein „Waschgang“. Ich fühlte mich wie in der Trommel einer Waschmaschine, wenn die Kleidung hin und her bewegt wird. Das Gefühl, einen endgültigen Schritt zu machen, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, belastete mich sehr. Und dennoch gab mir die Gewissheit, dass das Geschäft in Zukunft seinen Lauf nehmen kann, ein starkes Gefühl der Zufriedenheit und Entlastung.
Die zentralen Fragen in meinem eigenen Nachfolgeprozess
Auf der „Reise“ zu meiner eigenen Unternehmensnachfolge hatten weitere Fragen Relevanz – Fragen, die für viele Unternehmerinnen und Unternehmer im Nachfolgeprozess zentral sind. Dabei durfte und musste ich lernen, mich auf neue Perspektiven einzulassen.
- Was ist das Unternehmen überhaupt wert? Und das aus Sicht potenzieller Käufer – ohne mich, mit über 20 Jahren Geschäftsbeziehung, selbst als Mandats- und Ertragsträger?
- Wer kommt als Nachfolger infrage? Muss ich zuerst meine erwachsenen Söhne fragen oder schaue ich mich im eigenen Unternehmen um, wer dafür geeignet sein könnte?
- Wie soll die Zusammenarbeit mit den bestehenden Nachfolgeanwärtern bei Einbezug eines Dritten aussehen?
- Wie viel Zeit gebe ich zur Finanzierung der jeweiligen Aktienanteile?
- Was ist die Unterschrift auf einem Kaufvertrag wert, wenn das Geschäft weniger rund läuft, in dem Wissen, dass das Einkommen der Nachfolger vom Geschäftsergebnis abhängt?
- Wann und wie kommunizieren wir den Führungswechsel den Kundinnen, Kunden und Partnern?
Fachlich wusste ich, wie Nachfolgeprozesse ablaufen. Doch die Anwendung dieses Wissens auf die eigene Unternehmensnachfolge ist eine ganz andere Herausforderung.
Ich musste mir eingestehen, dass der echte, konkrete Wille da sein muss, Verantwortung im Unternehmen abzugeben – ansonsten gibt es nämlich nichts zu planen. Gleichzeitig merkte ich, wie leicht man das Beantworten dieser Fragen und die entsprechenden Entscheide im Nachfolgeprozess hinauszögert: aus Gewohnheit, emotionaler Bindung oder aus dem Gefühl heraus, schwer ersetzbar zu sein.
Mein persönliche Glaubwürdigkeit beim Prozess der Unternehmernachfolge
Für mich war diese Auseinandersetzung besonders anspruchsvoll, weil ich selbst als Nachfolgeberater tätig bin. Ich wollte gegenüber meinen Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern glaubwürdig bleiben und zeigen, dass das, was ich anderen Unternehmerinnen und Unternehmern im Rahmen der Unternehmensnachfolge empfehle, auch in meiner eigenen Situation funktioniert.
Dieser Anspruch machte den Prozess der eigenen Nachfolgeplanung nicht einfacher, sondern eher intensiver.
Der Unternehmenswert aus Sicht des Übergebers
Eine wichtige Erkenntnis im Nachfolgeprozess betraf den Wert meines Unternehmens. Ich musste akzeptieren, dass der Unternehmenswert nicht in erster Linie in meiner Person oder in meinem persönlichen Netzwerk liegt, sondern in stabilen Strukturen, wiederkehrenden Erträgen und einem funktionierenden Team.
Der Wert meines Unternehmens hatte nichts mit meiner Person zu tun — auch das eine Erkenntnis.
Deshalb begann ich bewusst, Verantwortung an mögliche Nachfolger zu übergeben. Ich übertrug ihnen Aufgaben entlang unserer Wertschöpfungskette und stattete sie mit entsprechenden Kompetenzen aus. Dieser Schritt war für mich ein echter Balanceakt. Vertrauen zu schenken bedeutet auch, Kontrolle loszulassen – und damit das Risiko einzugehen, enttäuscht zu werden.
Interne Nachfolger finden – (m)eine Schlüsselentscheidung
Auch die Frage nach geeigneten Nachfolgern verlangte eine ehrliche Auseinandersetzung – eine der zentralen Entscheidungen in jeder Unternehmernachfolge.
Natürlich habe ich zuerst mit meinen Söhnen gesprochen. Doch beide sahen ihre berufliche Zukunft nicht im Unternehmen. Diese Gespräche waren dennoch wertvoll und haben uns nähergebracht.
Am Ende fand ich die Nachfolgelösung im Unternehmen selbst: Zwei engagierte Führungskräfte und ein langjähriger Partner überzeugten mich mit ihrer gemeinsamen Vision und ihrem Führungsverständnis.
Finanzierung und Vertragsgestaltung in der Unternehmensnachfolge
Die finanziellen und vertraglichen Aspekte der Nachfolge waren für mich besonders herausfordernd. Ich wollte fair sein – aber nicht naiv.
Beteiligungen wurden deshalb schrittweise aufgebaut, und der Übergang im Rahmen der Unternehmensnachfolge erfolgte etappenweise über mehrere Jahre. Trotzdem gab es Momente voller Unsicherheit und auch schlaflose Nächte.
Der emotionalste Moment im Nachfolgeprozess
Der emotionalste Moment im ganzen Prozess war dann aber die Kommunikation der Nachfolge. Der öffentliche Führungswechsel bedeutete für mich auch die sichtbare Anerkennung meines Rückzugs – ein Schritt, der zugleich Abschluss und Neubeginn war.
«Meine Unternehmensnachfolge war ein ebenso emotionaler wie auch strategischer Prozess»
Die fachliche Analyse und Handlungsempfehlungen zu den wichtigsten Fragen, die mich im Rahmen der Unternehmensnachfolge die letzten fünf Jahre beschäftigt haben, stelle ich in einem separaten Blogbeitrag zur Verfügung.
Fazit: Emotionen und Strategie
Es ist anstrengend und aufwändig, eine Nachfolgelösung zu finden und diese umzusetzen. Ich war überrascht zu erfahren, dass du als Übergeber emotional zwischen voller Kontrolle der Situation und Machtlosigkeit schwankst. Es kommt nicht immer so, wie du es erwartest – und doch findest du nach einer kurzen emotionalen Desorientierung einen Weg, weitere wirksame Schritte zur Lösungsfindung im Nachfolgeprozess zu gehen.
«Als Übergeber schwankte ich emotional während dem Prozess zwischen voller Kontrolle der Situation und Machtlosigkeit»
Meine Empfehlungen, nachdem ich meine persönlichen Erfahrungen mit meinem eigenen Nachfolgeprozess gemacht hatte, sind:
- Akzeptiere, dass du nicht immer die Situation vollständig kontrollieren kannst.
- Halte dir immer vor Augen, dass es einen Weg zur Lösung gibt, wenn du ein klares Ziel verfolgst – aber auch nur dann, wenn du wirklich ein Ziel hast.
- Du bist nicht allein in so einer Situation. Hab den Mut, dir Hilfe und Unterstützung zu holen. Gleicherfahrene stehen dir zur Seite.
Wenn Kunden nach der Mitteilung über den Führungswechsel mit Worten wie „Sehr guter Entschluss – und auch ein sehr guter Nachfolger, Gratulation!“ oder „Du bist die Antithese zu: Der Schuster hat die schlechtesten Leisten“ reagieren, spürt man als Abtretender: Es war der richtige Weg.
Eine Unternehmensnachfolge zu regeln erfordert Arbeit, Mut und einen klaren Blick in die Zukunft. Sich den Fragen der Unternehmernachfolge ehrlich zu stellen – das ist bereits die „halbe Miete“.
Jene, die sich vertieft mit einzelnen Themen auseinandersetzen möchten, laden wir ein, in unseren Blogbeiträgen zu stöbern, die Videogespräche zu schauen oder sich in unsere Fach-Dossiers zu vertiefen, die wir kostenlos zum Download zur Verfügung stellen.
- Dossier: KMU Nachfolge als Prozess: alles im richtigen Moment? (Schrift Nr. 04)
- Dossier: KMU Nachfolge wirkungsvoll gestalten (Schrift Nr. 02)
Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unterlagen und Arbeitsblätter kostenlos zur Verfügung.
In Blog-Beitrag 55 vertieft Patrik Landolfo seine Analyse und fasst detailliert seine wichtigsten Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Nachfolgelösung zusammen.
ÜBER PATRIK LANDOLFO
Patrik Landolfo ist Organisationsentwickler und Nachfolgeberater. Für sein Unternehmen five‑e business AG, dessen Inhaber und Geschäftsführer er während mehr als zwanzig Jahren war, hat er per März 2026 die Führungs- und Eigentumsnachfolge erfolgreich abgeschlossen. Heute ist er als Mandatsträger im Bereich Nachfolge weiterhin aktiv. Mit seiner Expertise als Wirtschaftsmediator und Organisationsberater begleitet er Kundinnen und Kunden durch Nachfolgeprozesse.
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