Blog 60 | Arbeitspräferenzen: Erfolgsfaktor für die Nachfolge im Team

Unter­nehmen werden zunehmend von einer Co-Leitung oder von Teams geführt, sowohl auf oberster wie auch auf tieferen Führungs­stufen. Damit verschiedene Individuen als Team bestmöglich zusam­men­ar­beiten, ist es zentral, die jewei­ligen Arbeits­prä­fe­renzen von sich selbst und der einzelnen Team-Mitglieder zu kennen und die Rollen entspre­chend zu verteilen. Dieses Wissen ist auch bei Nachfol­ge­pro­zessen relevant, wenn Funktionen übergeben und Rollen neu besetzt werden oder wenn ein Team die Nachfolge antritt.

Wenn zwei das Gleiche wollen, es aber trotzdem nicht funktioniert

Neulich wurden wir bei einem KMU dazugeholt, da hatten zwei Personen gemeinsam das Unter­nehmen übernommen. Zwei engagierte Persön­lich­keiten: beide bringen Kompetenz mit, beide wollen es gut machen und bemühen sich darum – und trotzdem war in der Zusam­men­arbeit viel Reibung da, mehr oder weniger von Beginn weg.

Die eine Person war schnell im Entscheiden und intuitiv, die andere brauchte erst alle relevanten Infor­ma­tionen auf dem Tisch. Die eine liebte es, Neues anzustossen und Chancen zu sehen; die andere will erst abschliessen, was begonnen wurde. Im besten Fall ergänzen sich die beiden wunderbar. Im schlech­teren Fall, dem unsrigen, nerven sie sich gegen­seitig – ohne zu verstehen, warum. Sie investieren viel Energie für ein Ergebnis, das eigentlich besser sein müsste.

Bleiben Arbeits­prä­fe­renzen unsichtbar, werden Unter­schiede im Arbeitsstil häufig als persön­liche Schwäche, mangelndes Engagement oder Unver­ständnis interpretiert.

Was bei diesen beiden fehlte, war nicht Goodwill und auch nicht Kompetenz. Es hat das Wissen gefehlt, wie die andere Person bei der Arbeit funktio­niert. Dieses Wissen lässt sich gewinnen – und gerade während einem Nachfol­ge­prozess zahlt es sich aus. 

Denn solange Arbeits­prä­fe­renzen unsichtbar bleiben, werden Unter­schiede im Arbeitsstil häufig als persön­liche Schwäche, mangelndes Engagement oder Unver­ständnis inter­pre­tiert. Werden sie sichtbar, lassen sie sich als das verstehen, was sie sind: unter­schied­liche, gleich­wertige Zugänge zur Arbeit.

Was sind Arbeitspräferenzen?

In Situa­tionen wie diesen arbeiten wir mit einem Tool, welches Arbeits­prä­fe­renzen sichtbar macht. Dabei ist wichtig zu verstehen: Arbeits­prä­ferenz ist nicht dasselbe wie Können. Man kann in einem Bereich hochkom­petent sein, der einem trotzdem wenig liegt. Aber was wir gerne tun, das üben wir – und werden mit hoher Wahrschein­lichkeit auch gut darin. Präfe­renzen und Stärken sind deshalb oft eng verwandt, auch wenn sie nicht deckungs­gleich sind.

Arbeits­prä­fe­renzen sind Vorlieben. Sie beschreiben, welche Tätig­keiten einem Menschen bei der Arbeit Energie geben – und welche Energie kosten.

Arbeits­prä­fe­renzen sind Vorlieben. Sie beschreiben, welche Tätig­keiten einem Menschen bei der Arbeit Energie geben – und welche Energie kosten. Es geht nicht um Persön­lichkeit im klassi­schen Sinne, sondern um das ganz konkrete Erleben: Was mache ich gerne? Wobei bin ich mit Leich­tigkeit bei der Sache – und wobei kostet mich die gleiche Tätigkeit unver­hält­nis­mässig viel Kraft?

Es macht einen Unter­schied, ob jemand gerne Infor­ma­tionen sammelt und diese auswertet, oder ob jemand am liebsten sofort ins Handeln kommt. Wer auf Struk­turen und Systeme setzt, tickt anders als jemand, der spontan auf Neues reagiert. Wer Entschei­dungen analy­tisch herleitet, kommt in Konflikt mit jemandem, der primär nach Werten und Überzeu­gungen urteilt.

Arbeitspräferenzen erkennen: Das Team Management Profil (TMP)

Gerade in KMU – und besonders in der Nachfol­ge­planung – hat die Frage, wer wie arbeitet, in einem Team eine besondere Relevanz.

Arbeits­prä­fe­renzen können auf verschiedene Weisen reflek­tiert werden. Ein bewährtes und gleich­zeitig wissen­schaftlich fundiertes Instrument ist das Team Management Profil (TMP). Es wurde von den austra­li­schen Forschern Marge­rison und McCann ab 1984 entwickelt und ist heute in über 190 Ländern im Einsatz. Es gehört weltweit zu den meist­ge­nutzten Instru­menten der Teamentwicklung.

Grundlage für das TMP ist ein umfas­sender Online-Frage­bogen. Der daraus entste­hende persön­liche Bericht beschreibt die Arbeits­prä­fe­renzen auf vier Skalen:

  • Wie gehe ich mit anderen Menschen um? (extro­ver­tiert – introvertiert)
  • Wie beschaffe und nutze ich Infor­ma­tionen? (praktisch – kreativ)
  • Wie treffe ich Entschei­dungen? (analy­tisch – werteorientiert)
  • Wie organi­siere ich mich und andere? (struk­tu­riert – flexibel)

Aus diesen vier Skalen entstehen acht Teamrollen – von der Kreativen Innova­torin bis zum Kontrol­lie­renden Überwacher. Jede Person hat eine Haupt­rolle und üblicher­weise zwei Neben­rollen. Diese sind nicht auf immer und ewig fix in Stein gemeisselt: es kann sein, dass sich Präfe­renzen und Rollen über die Zeit hinweg verändern.

Abb. 1: Das Team Management Rad von Team Management Systems® (Marge­rison-McCann)

Das zentrale Forschungs­er­gebnis: Erfolg­reiche Teams decken alle acht Arbeits­be­reiche ab. Weniger erfolg­reiche lassen syste­ma­tisch einzelne Felder liegen.

Wichtig dabei: das TMP bewertet nicht. Es beschreibt, wer welche Tätig­keiten bevorzugt – und macht das für alle Betei­ligten sichtbar und damit auch besprechbar.

Was Arbeitspräferenzen konkret bringen

Der Nutzen davon lässt sich auf drei Ebenen beschreiben:

  • Indivi­duell: Wer vorwiegend in seinen präfe­rierten Bereichen arbeitet, erlebt mehr Leich­tigkeit und weniger innere Reibung. Die Energie, die sonst in Überwindung fliesst, wird frei für das Wesent­liche – und die Perfor­mance steigt.
  • Im Team: Konstruk­tivere Kommu­ni­kation, klarere Aufga­ben­ver­teilung, weniger stille Konflikte. Weil Unter­schiede verstanden und nicht als Bedrohung erlebt werden.
  • Fürs Unter­nehmen: Klarheit darüber, wie das Team aufge­stellt ist – und was oder wen es noch braucht. Das ist eine unter­neh­me­risch relevante Infor­mation, nicht nur Teamgefühl.

Zudem hilft das Wissen um Arbeits­prä­fe­renzen, Konflikte konstruk­tiver zu überwinden. Man versteht, warum jemand auf eine bestimmte Weise handelt – und kann das Gespräch auf einer sachli­cheren Ebene führen.

Praxisbeispiel: Arbeitspräferenzen in der Team-Nachfolge

Im eingangs erwähnten Beispiel haben wir für beide Personen einen TMP-Bericht erstellen lassen und dann in einem Workshop folgende Fragen mitein­ander diskutiert:

  • Wo sind wir als Team stark – und was decken wir gemeinsam gut ab?
  • Was haben wir bis anhin übersehen? Was wird bei uns syste­ma­tisch unter­schätzt oder vernachlässigt?
  • Wie organi­sieren wir uns so, dass alle (jeder) möglichst oft in ihren präfe­rierten Bereichen arbeiten können?
  • Wer übernimmt was – und wie wollen wir mitein­ander kommunizieren?

Die beiden Nachfolger:innen haben Gespräche geführt, die sonst kaum statt­ge­funden hätten, und haben sich auf einer neuen Ebene kennen­ge­lernt. Sie haben Klarheit darüber erlangt, was ihnen bei der Arbeit Energie gibt und was Energie kostet. Und so haben sie – explizit und konkret – eine gemeinsame Vorstellung davon entwickelt, wie sie künftig zusam­men­ar­beiten wollen.

Unsere Erfahrung zeigt dabei: Es braucht keinen Konflikt, damit sich die Ausein­an­der­setzung mit Arbeits­prä­fe­renzen lohnt. Auch Teams, die grund­sätzlich gut funktio­nieren, werden durch diese gemein­samen Erkennt­nisse noch wirksamer.

Fazit

Arbeits­prä­fe­renzen sind keine Soft-Skill-Spielerei. Sie sind eine unter­neh­me­risch relevante Infor­mation – über sich selbst, über das Team, über das, was noch fehlt. Wer sie kennt, führt bewusster, arbeitet energie­ef­fi­zi­enter und gestaltet Zusam­men­arbeit tragfä­higer. Sich mit den Arbeits­prä­fe­renzen ausein­an­der­zu­setzen ist zudem ein wirksames Tool für Bewusstsein und die persön­liche Weiterentwicklung.

In der Unter­nehmens­nach­folge, wo neue Konstel­la­tionen entstehen und vieles gleich­zeitig auf dem Spiel steht, kann dieses Wissen ein wichtiges Fundament sein für das wirksame Zusammenarbeiten.

Mehr zum Thema

Auf unserer Plattform finden Sie weiter­füh­rende Unter­lagen rund um Themen der Unter­nehmens­nach­folge. Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unter­lagen und Arbeits­blätter kostenlos zur Verfügung.

Um das Thema zu vertiefen, empfehlen wir zudem folgende Beiträge

Fotonachweis: Shutter­stock | www.teammanagementsystems.com (Team Management Systems®), Team Management Systems IP Pty Ltd in Australien

Copyright-Hinweis: Team Management Systems®, TMS Global®, the wheel device®, TeamOS™ und die zugehö­rigen mit ™ oder ® gekenn­zeich­neten Handels­marken sind einge­tragene oder gewohn­heits­recht­liche Marken der Team Management Systems IP Pty Ltd in Australien und verschie­denen inter­na­tio­nalen Rechtssystemen.

Bild von Claudia Buchmann

Claudia Buchmann

Menschen und Unternehmen im Rahmen von Nachfolgeprozessen in ihrer (Weiter-) Entwicklung zu begleiten, das ist die grosse Passion von Claudia Buchmann. Als langjährige Unternehmerin weiss sie, was unternehmerisches Denken und Handeln in Veränderungsprozessen bedeutet: ein grosses Stück Arbeit und ein freudiges Feiern von Erfolgen.

Das könnte Sie auch noch interessieren