Kernaussagen
- Eine stabile Führungsnachfolge erfordert klare Rollen und abgestimmte Übergaben.
- Das Spleissmodell bietet eine strukturierte Vorgehensweise für den Übergang.
- Kontinuität in der Führung ist entscheidend für den Unternehmenserfolg.
Diese Fragen werden beantwortet
- Was ist das Spleissmodell in der Führungsnachfolge?
- Wie werden Rollen und Verantwortung übergeben?
- Wie wird Stabilität im Übergang sichergestellt?
Warum “Spleissen” mehr bringt als kleben
Wenn zwei Seile miteinander eine starke Verbindung eingehen sollen, dann reicht eine reine Klebestelle dafür nicht aus. Die zwei Seile müssen ineinander verwoben werden. Man nennt dies Spleissen.
Ein solches Spleissen braucht es — im übertragenen Sinn — auch in der Unternehmensnachfolge. Eine einfache Klebestelle schafft keine Stabilität. Es braucht ein Einfädeln und ein Ausfädeln, damit der Generationenwechsel im Rahmen der Führungsnachfolge nachhaltig über die Zeit gestaltet werden kann.
Drei Perspektiven im Nachfolgeprozess: Generationen und Unternehmen im Fokus
Im Rahmen der Führungsnachfolge stellen wir uns regelmässig die Frage, wie ein gesunder und nachhaltiger Nachfolgeprozess für drei zentrale Anspruchsgruppen gestaltet werden kann:
- die abtretende, übergebende Generation,
- die antretende, übernehmende Generation,
- das Unternehmen selbst.
Dabei zeigen sich in der Praxis der Unternehmernachfolge zwei wiederkehrende Beobachtungen.
Beobachtung 1: Die übergebende Generation – vom Marathon ins Auslaufen
Die erste Beobachtung bezieht sich auf die Generation, welche die Firma übergibt.
Immer wieder beobachten wir, dass die abtretendeGeneration über zwei bis drei Jahrzehnte hinweg in eine Unternehmensgrösse und Führungsbreite hineingewachsen ist, die beeindruckend ist. Es kamen immer mehr Aufgaben hinzu, Märkte und Unternehmenskomplexität wurden über die Zeit grösser, die Veränderungsgeschwindigkeit nahm an Tempo zu. Viele realisieren erst in der Rückschau, in welchem Hamsterrad und Marathon sie unterwegs waren.
Die meisten sind in den letzten Jahren oder Jahrzehnten einen Marathon gelaufen. Sich dann unmittelbar nach dem Zieleinlauf ins Bett zu legen, das ist für ein Individuum ungesund — das wissen wir aus dem Sport. Es braucht ein Auslaufen, einige Dehnübungen — man fährt das System wieder runter.

Beobachtung 2: Die übernehmende Generation – Aufbau statt Sprung ins kalte Wasser
Die zweite Beobachtung, die wir regelmässig machen:
Nach einem abgeschlossenen Führungsnachfolge-Prozess ist die Anzahl Führungspersonen häufig grösser als zu Beginn der Nachfolge. Oft wird im Laufe des Generationenwechsels eine Geschäftsleitung ausgeweitet oder eine zweite Führungsebene eingeführt und aufgebaut.
Es geht dabei auch um die grossen Fusstapfen, in die eine nächste Generation hineinwachsen will oder soll, um über die Zeit dann eine eigene Spur zu hinterlassen.
Wenn wir nun auch hier nochmals auf das Bild des Marathons zurückgreifen, können wir sagen: Einen Marathon laufen zu wollen ohne jegliches Training, ist ebenfalls ungesund für das jeweilige Individuum. Es braucht ein Aufbautraining, um einen Marathon ein einem angemessenen Tempo und gesund laufen zu können und das Tempo über die Zeit hinweg zu halten.
Das Spleissmodell in der Praxis der Unternehmensnachfolge
Genau an diesem Punkt setzt unser “Nachfolge-Spleissmodell” an.
Die Parallelen zwischen dem Spleissen und einer stabilen Führungsnachfolge im Unternehmen lassen sich anhand eines Praxisbeispiels aus unserer Beratung verdeutlichen:
Es geht dabei um ein KMU, das seit über 20 Jahren von einem Ehepaar verantwortet wird. Während dieser Zeit hat sich das Unternehmen von 10 auf 60 Mitarbeitende entwickelt und ist in zwei Geschäftsfeldern unterwegs.
- Der Vater verantwortete Technik, Kunden und Prozesse
- Die Mutter war zuständig für Finanzen und Personal
- Gemeinsam bildeten sie die Geschäftsleitung und den Verwaltungsrat
Wöchentlich haben sich die beiden abgestimmt und lebten damit ihre Form der Geschäftsleitung. Auf dem Papier besetzten sie formal auch die zwei Verwaltungsratssitze. Eine eigentliche Durchführung von Verwaltungsratssitzungen war aber gar nie notwendig.
Für die Führungsnachfolge hatte man das Ziel, dass künftig zwei Töchter und zwei Mitarbeitende gemeinsam die Geschäftsleitung (inkl. Eigentum) übernehmen sollen.
Damit diese Führungsnachfolge gelingen konnte, war entscheidend, dass die Veränderung der verschiedenen Rollen sich über die Zeit entwickeln konnte.
Über fünf Jahre hinweg wurde ein klarer Plan erarbeitet, der aufzeigt, wie sich die neue Generation schrittweise in ihre Rollen einfädelt – während sich die übergebende Generation bewusst ausfädelt.

Stabilität durch Verweben: Der Schlüssel zur nachhaltigen Führungsnachfolge
Das Resultat dieses Ansatzes:
Ein kontinuierliches Verweben, Verändern und Weiterentwickeln der Rollen über die Zeit hinweg. Dadurch entstand für das Unternehmen eine hohe Stabilität und die Kontinuität im Rahmen der Unternehmernachfolge konnte sichergestellt werden.
Erfolgsfaktoren einer nachhaltigen Führungsnachfolge im Überblick
Wenn wir eine Führungsnachfolge begleiten, beobachten wir regelmässig folgende Erfolgsfaktoren:
- Der Verwaltungsrat wird als Gremium zum Leben erweckt und eine neue Routine wird antrainiert.
- Die Führungs-Crew ist in der Regel nach Abschluss der Führungsnachfolge breiter aufgestellt, im Vergleich zur Struktur vor dem Prozess.
- Es braucht Zeit, sich auf neue und sich verändernde Strukturen und Prozesse in der Führung einzulassen.
- Die Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten müssen sich über die Zeit verändern und laufend neu ajustiert werden.
- Es braucht aktive Team-Entwicklung, um eine schlagkräftige Führungs-Crew aufzubauen.
Alle diese Prozesse sind dann nachhaltig erfolgreich, wenn die Veränderung im Nachfolgeprozess bewusst, kontinuierlich und sorgfältig über die Zeit hinweg stattfinden kann.
Fazit: Führungsnachfolge als Spleissprozess denken
Wenn man bisherige Aufgabenfelder und Rollenbilder sorgfältig mit neuen Zielbildern, Bedürfnissen und Erwartungen verwebt, kann ein Strick entstehen, der nicht so schnell reisst — es entsteht ein tragfähiges Gefüge.
Ein solcher “Spleiss” sorgt dafür, dass die Verbindung nicht reisst — und die übergebende Generation sich entspannt ausfädeln kann, wenn die Zeit dafür gekommen ist.
Auf unserer Plattform finden Sie weiterführende Unterlagen zum Thema. Unter anderem folgende Beiträge:
- Dossier: KMU Führungsachfolge (Schrift Nr. 11)
- Die Vorteile einer Teamnachfolge (Blog Nr. 38)
- Rollenklärung bei der Führungsnachfolge: weshalb die Hüte so wichtig sind (Blog Nr. 20)
Im Download-Center stellen wir Ihnen diverse Unterlagen und Arbeitsblätter kostenlos zur Verfügung.
Fotonachweis: Shutterstock sowie Encyclopaedia Britannica (www.britannica.com)